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Glossar

A


Acetylcholinesterase-Hemmer

Rezeptpflichtige Wirkstoffe zur Behandlung bei leichter und mittelschwerer Demenz: Donepezil, Rivastigmin, Galantamin.

Alzheimer Demenz

Häufigste Demenzform, durch Ablagerung von verändertem Eiweiß zwischen den Nervenzellen ("Amyloid Plaques") und in den Nervenzellen (Tauprotein/"Tangles") kommt es zu einem Verlust von Nervenzellen im Gehirn.

Anamnese

Systematische Befragung durch eine Ärztin nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamentengebrauch sowie Allergien.

Angehörigenvertretung

Familienangehörige vertreten Menschen mit Vergesslichkeit in bestimmten Bereichen wie in einfachen Rechts- und Geldgeschäften: Einkaufen, Miete zahlen, bei Behörden vertreten, Ansprüche geltend machen, Pflege und Betreuung organisieren.

Antidementiva

Medikamente, die die Signalübertragung durch Acetylcholin bzw. Glutamat im Gehirn verbessern. Dadurch wird das Fortschreiten der Krankheitsbilder verzögert.

Assistenz

Unterstützung bei einer möglichst selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und eigenständigen Lebensführung. Klientinnen sind Auftraggeberinnen.

B


Bankvollmacht

Eine Kontoinhaberin bestimmt eine Vertrauensperson, die die Geldgeschäfte durchführt, wenn die Kontoinhaberin dazu nicht mehr in der Lage ist.

Beratung

Informiert über hilfreiche Angebote und begleitet in veränderten Lebenssituationen.

Bewegung

Vorbeugende und die Denkleistung fördernde Aktivität, die zum Beispiel durch regelmäßigen Sport/Spaziergänge...etc den Stoffwechsel im Gehirn fördert.

Biomarker

Messbare biologische Veränderungen im Körper, um Krankheiten festzustellen.

C


CT (=Computertomografie)

Bildgebendes Verfahren in der Radiologie, um Veränderungen festzustellen.

D


Diagnose

Erkennen von Krankheiten, um die passenden und geeigneten medikamentösen und nicht-medikamentöse Behandlungen/Therapien zu beginnen. 

Delir

Akuter Verwirrtheitszustand, der durch eine plötzlich auftretende Erkrankung wie Infektion oder Operation entsteht.

Degeneration

Prozess im Körper, der eine Verschlechterung einer Krankheit, eines Zustandes, eines Organs bewirkt. Das Wort wird auch mit der Bedeutung Abbau oder Verfall verwendet.

Demenz

Meint keine einheitliche Erkrankung, sondern eine Reihe von Symptomen, die von verschiedenen Erkrankungen des Gehirns ausgelöst werden und Alltagskompetenzen einschränken. Beeinträchtigt können Gedächtnis, Sprache, Denken, Rechnen, Orientierung, Urteils- und Lernfähigkeit sowie die Auffassung sein. Die Erkrankung verläuft chronisch und fortschreitend. Bei einer Demenzerkrankung funktionieren Teile des Gehirns nicht mehr richtig.

Demenzfreundliche Netzwerke / Städte / Apotheken / Gottesdienst etc.

Initiativen, die auf die veränderten Bedürfnisse von Menschen mit Vergesslichkeit und Demenz reagieren. Dazu werden besondere Angebote umgesetzt. Ziel ist es zu informieren und zu integrieren. Trotz Einschränkungen soll die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden.

Demenzstrategie

Österreichische Demenzstrategie „Gut Leben mit Demenz“  (2016) Vom Gesundheits- und Sozialministerium gemeinsam erarbeitete Grundlage, um die Lebenssituation von Menschen mit Demenz zu verbessern.

Depression

Häufige psychische Erkrankung, die oft ohne äußeren Anlass beginnt und behandelt werden kann. Mögliche Anzeichen: tiefe Traurigkeit, Interessensverlust, starke Müdigkeit, negative Stimmung, Antriebslosigkeit, verminderte Konzentration und Schlafstörungen…

E


Erwachsenenschutzgesetz

Tritt am 1.7.2018 in Kraft und ersetzt das Sachwalterrecht. Die Selbstbestimmung, Autonomie und Entscheidungsfreiheit der vertretenen Personen soll damit gestärkt werden.

Ergotheraphie

Die Ergotheraphie unterstützt Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind. Ziel der Ergotherapie ist es durch spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung, Menschen bei der Durchführung von für sie wichtigen Betätigungen in den Bereichen wie Selbstversorgung, Produktivität etc. zu stärken.

F


Freizeit-/ Fahrtendienst

Gefördertes Angebot zur Mobilitätssteigerung für dauerhaft bewegungseingeschränkte Menschen. Ein Museums- oder Konzertbesuch oder die Fahrt zum Tageszentrum werden ermöglicht.

Frontotemporale Demenz

Bei dieser Form der Demenz treten zuerst Verhaltensauffälligkeiten auf. Taktlosigkeit, Wutausbrüche, sexuelle Enthemmung, Abnahme des Einfühlungsvermögens sowie fehlende Krankheitseinsicht können mögliche Veränderungen sein.

G


Gedächtnistraining

Ganzheitliches Gedächtnistraining fördert die Merkfähigkeit und das Erinnern, die Wahrnehmung und den Wortschatz, die Denkflexibilität und die Konzentration. Geeignet auch als präventive Maßnahme, die einzeln oder in Gruppen angeboten wird. 

Generikum

Kopie eines bestehenden Medikaments, dessen Patentschutz abgelaufen ist. Das Generikum hat einen anderen Namen, aber die gleichen Wirkstoffe.

Geriatrie

Fachgebiet der Medizin für Patientinnen ab dem Alter von 65 Jahren mit deren alterstypischen Erkrankungen. Ein ganzheitlicher Blick auf die Lebenssituation und die oft mehrfach kranken Menschen ermöglicht eine höhere Lebensqualität.

Gerontopsychiatrisches Zentrum

Fachambulanz zur Abklärung einer Gedächtnisstörung oder anderer psychiatrischer Erkrankungen im höheren Alter.

Gewalt

Bei Gewalt gegen ältere Menschen handelt es sich um Handlungen, die diese nicht wollen und ihnen unangenehm sind. Gewalt wird manchmal auch durch Verhältnisse, die ausgrenzen oder diskriminieren, ausgelöst.

Ginko

Pflanzliches Präparat zur Verbesserung der Durchblutung.

GPS - Tracker

Technische Geräte, die den Standort von Personen oder Gegenständen senden. Manche können mit einer SIM-Karte wie bei einem Mobiltelefon  die Daten per SMS übermitteln. Es gibt Modelle mit einem Alarmknopf.

H


Halluzinationen

Trugwahrnehmungen, die von den Betroffenen, ohne entsprechenden Reiz von Außen, als real beschrieben werden. Alle fünf Sinne können von diesen Sinnestäuschungen betroffen sein.

I


Insult - Schlaganfall

Plötzlich auftretende Erkrankung im Gehirn, die zum Ausfall von Bereichen im Zentralnervensystem führt und dadurch auch die Blutversorgung im Gehirn beeinträchtigt.

K


Kognition

Funktionen des Gehirns wie Denken, Lernen, Planen, Erinnern und Wahrnehmen, Konzentration, Sprache

L


Lewy-Body-Demenz

Gehirnerkrankung durch Eiweißablagerungen (Lewy-Körperchen) mit Ähnlichkeit zur Parkinsonkrankheit. Visuelle Halluzinationen und Bewegungsstörungen sind häufige Symptome.

Liquoruntersuchung

Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit werden  auf eine mögliche Entzündung bzw Demenzerkrankung untersucht.

M


Memantin

Rezeptpflichtiger Wirkstoff zur Behandlung bei mittelschwerer bis schwerer Demenz: Axura, Ebixa und Generika.  

Memory Klinik

Kompetenzzentrum zur Diagnostik, Behandlung und Beratung bei kognitiven Veränderungen und Beeinträchtigungen.

MCI (mild-cognitive-impairment)

Bezeichnet Defizite im Denken bei älteren Personen, die nicht alterskonform sind, aber auch nicht den Schweregrad einer Demenz erreichen.

MMSE (Mini-Mental-Status-Examination)

Neuropsychologischer Test zur Erkennung kognitiver Defizite.

MRT (Magnetresonanz-Tomografie)

Bildgebendes Verfahren bei dem durch die Erzeugung hoher Magnetfelder Veränderungen im Gewebe oder den Gefäßen sichtbar gemacht werden.

N


Nonnenstudie

Studie von David A. Snowdon, die ergeben hat, dass bei geistig regen Klosterschwestern, die trotz ihres sehr hohen Alters keine Vergesslichkeit zeigten, nach deren Ableben im Gehirn aber Schäden festgestellt wurden, die auf eine schwere Alzheimerdemenz hinweisen. Die Ablagerungen im Gehirn können daher nicht die einzige Ursache für eine Demenzerkrankung sein.

Neurologie

Teilgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen des Nervensystems befasst. Eine Neurologin diagnostiziert Erkrankungen bei Störungen der Sprache, des Gedächtnisses, der räumlichen Orientierung, dem planerischen Handeln, dem Sozialverhalten und der emotionalen Kontrolle und der Bewegung.

Neuronen

Nervenzellen, die Reize und Informationen weitergeben und sich zu Netzwerken verbinden.

Neuroplastizität

Fähigkeit von Gehirnzellen, sich neu zu bilden und neu zu verbinden. Das Gehirn hat die Fähigkeit sich nach einer Verletzung oder Störung zu regenerieren.

P


Parkinson - Demenz

Bei einer Parkinson-Erkrankung entwickeln Patientinnen in manchen Fällen eine Demenz. Aufmerksamkeitsstörungen und verlangsamtes Denken können auftreten. In manchen Fällen kommt eine Depression oder Halluzinationen dazu. 

Patientenverfügung

Schriftliche Willenserklärung in der auf bestimmte Behandlungsmethoden und lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet wird. Die Patientenverfügung gilt dann, wenn die Verfügerin sich selber nicht äußern kann, wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall. Es gibt eine beachtliche und eine verbindliche Patientenverfügung.

PET (Positronen-Emissionen-Tomografie)

Stoffwechselvorgänge werden bei diesem bildgebenden Verfahren durch schwach radioaktive Strahlung sichtbar gemacht.

Pflegegeld

Finanzielle Leistung, die einen Teil der Ausgaben bei Pflegebedarf abdecken soll. Anträge auf Pflegegeld werden bei der Pensionsversicherung gestellt.

Pflegestufen

Bestimmen den Bedarf an Pflege und Betreuung im Krankheitsfall. In Österreich gibt es 7 Pflegestufen. Eine Sachverständige ermittelt bei einem Hausbesuch die Pflegestufe. Das Pflegegeld ist an die Pflegestufe gebunden. Bei Pflegestufe 1 (es sind 65 Sunden monatlich) werden derzeit 157,30€ ausgezahlt, bei Pflegestufe 7 1688,90€ ( es sind mehr als 180 Stunden monatlich. Bei Vorliegen einer Demenzdiagnose werden 25 Stunden pro Monat berücksichtigt und dazu gerechnet.

Prävention

Vorbeugen durch frühzeitige Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes Mellitus und Übergewicht sowie Raucherentwöhnung. In den Lebensstil regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung sowie Sozialkontakte und lebenslanges Lernen einbauen.

Progredienz

Das Fortschreiten oder die Verschlechterung einer Erkrankung.

R


Resilienz

Anpassungsprozess um körperliche, mentale, soziale und gesellschaftliche Krisen zu meistern. Kraft, die mich trotz schwerer Zeiten, weitermachen lässt. 

S


Stoffwechsel

Chemische und biologische Prozesse bei denen im Körper aus Nahrung Energie gewonnen wird. 

Stigmatisierung

Negative Bewertung von Personen auf Grund eines äußeren Merkmals, einer Behinderung oder einer Erkrankung wie bei einer Demenz. 

Symptome

Zeichen einer Krankheit.

T


Tanzen

Vorbeugende und das Nervenwachstum im Gehirn fördernde Freizeitaktivität.   

Tageszentrum

Betreuungsform, die von Ergotherapie über Gedächtnistraining bis zu Singen und Tanzen Besucherinnen aktivieren, unterstützen und unterhalten. 

Therapie

Medikamentöse Therapie wird durch Ärztinnen durchgeführt, nicht-medikamentöse Therapien auch durch Therapeutinnen mit dem Ziel zu heilen oder Symptome zu lindern. 

U


Uhrentest

Einfacher Test zur Demenzabklärung . Das Zeichnen einer Uhr mit einer bestimmten Uhrzeit gibt Aufschluss über kognitive Funktionen

V


Validation

Kommunikationsmethode mit einer respektvollen Haltung von Naomi Feil für hochbetagte desorientierte Menschen entwickelt. Validieren heißt „für gültig erklären“. Menschen werden in ihrem So-Sein bestätigt.  

Vaskuläre Demenz

Zweithäufigste Demenzform, die durch eine Minderdurchblutung im Gehirn zum Absterben von Zellen oder ganzen Hirngebieten führt. Ursache sind Verschlüsse von Gefäßen im Gehirn durch Ablagerungen oder Infarkten.

Vorsorgevollmacht

Juristisch beglaubigtes Dokument, in dem ich eine oder mehrere Personen bestimme, die für mich entscheiden oder mich vertreten. Die Vorsorgevollmacht gilt ab dem Zeitpunkt, an dem ich selber nicht mehr handlungs- oder geschäftsfähig bin.

Dieses Glossar wurde unter Zuhilfenahme des Buches demenz. Fakten-Geschichten-Perspektiven Irene Bopp-Kistler (Hg.) rüffer&rub Verlag zusammengestellt. Zur besseren Verständlichkeit wurde der weiblichen Form bei geschlechtsspezifischen Begriffen der Vorzug gegeben.


Besonderer Dank gilt Primaria  Dr. Asita Sepandj für ihre Unterstützung